Dokumentation ist ein wichtiger Teil der Diabetes-Therapie

Von Berufswegen her beschäftige ich mich immer wieder mit dem Thema Dokumentation. Wie beschreibt man eine Software-Anforderung so, dass möglichst effizient das umgesetzt wird, was gewollt ist? Wo hält man fest, wie das System tatsächlich funktioniert? Welche Arbeitsschritte dorthin sollten aufgeschrieben werden, damit auch neue Mitarbeiter schnell auf Augenhöhe interagieren können? Diese Fragen zeigen, dass der schlechte Ruf des Dokumentierens unbegründet und viel Potenzial zur kontinuierlichen Verbesserung vorhanden ist. Trotzdem lasse sogar ich es im Privaten in Bezug auf den Diabetes manchmal schleifen.

Was sollte also bei Diabetes dokumentiert werden und warum? Eigentlich beruht die ganze Therapie auf dokumentierten Daten. Misst man den aktuellen Glukosewert ausschließlich im Blut, sollte man die Werte in ein Blutzuckertagebuch schreiben. Zum einen kann der Arzt so bei der Quartalsuntersuchung schneller relevante Ableitungen ziehen und muss nicht erst mit dem Patienten zusammen fehleranfällige Vergangenheitsforschung betreiben. Zum anderen kann der Patient selbst wichtige Informationen herausziehen. Je nach dem wie oft er misst und dokumentiert, kann er auf Basis vorheriger Einträge Trends für den zukünftigen Verlauf ableiten. Genau hier setzen CGM-Systeme an. Der Patient muss sich nicht nur deutlich weniger in den Finger stechen, sondern er sieht auch in 5-Minuten-Schritten die vergangenen Werte. Die meisten Systeme ermitteln so sogar selbst Trendprognosen (Eine Achterbahn der Werte) und unterstützen die Handlungsentscheidung des Diabetikers. Ein großer Teil des Dokumentationsaufwands wurde so bereits automatisiert.

Wenn der Diabetiker seinen aktuellen Wert und die mögliche weitere Entwicklung vor dem Essen kennt, steht die nächste Herausforderung an. Er muss wissen, schätzen oder raten, wie viel Kohlenhydrate und Fette in dem Essen enthalten sind und wie das seinen Blutzuckerspiegel beeinflussen wird. Hierzu gibt es bereits viele Bücher oder Datenbanken, die das pro Lebensmittel festgehalten haben. Zwar hat man auch per Google relativ schnell relevante Informationen zusammen, aber je nach Rezept kann das doch ein paar Minuten dauern und die Mittagspause in die Länge ziehen. Daher habe ich mir angewöhnt, selbst eine Tabelle mit typischen Essen und deren Werten anzulegen. Mal halte ich fest, wie viel Kohlenhydrate pro Gramm enthalten sind. Ich kann so relativ schnell durch Wiegen die richtige Menge feststellen. Das bietet sich vor allem bei Beilagen wie Reis oder Nudeln an. Je nach Hunger variiert hier die Menge und man muss nicht großartig rechnen. Es lohnt sich aber auch typische Mengen festzuhalten. Das Vollkorn-Croissant oder Brötchen vom Bäcker muss ich nicht ständig wiegen, wenn ich weiß wie schwer es ist und wie viel Kohlenhydrate es entsprechend enthält. Ähnlich verhält es sich bei Semmelknödeln oder Kroketten. Hier wird nicht gewogen, sondern gezählt.

Manche Lebensmittel erfordern auch zuhause Mut zum Schätzen. Pizza (Pizza – die Königsklasse unter den Essen) ist je nach Restaurant unterschiedlich groß und je nach Nummer unterschiedlich belegt. Hier hilft weder Google noch die Waage. Der Diabetiker muss hier Annahmen treffen, diese dokumentieren und sie danach verifizieren. Das Dokumentieren ist hier besonders wichtig, da man sonst immer wieder ins Blaue rät und ggf. aufwändig mit Insulin nachsteuern muss. Für meine Lieblingspizza z.B. habe ich 11 KE festgehalten, die ich vor dem Essen mit 2/3 der berechneten Insulineinheiten spritze und nach dem Essen mit dem restlichen Drittel.

Wer jetzt denkt, dass schon genug dokumentiert wurde, irrt. Denn es gibt unzählige Einflussfaktoren auf den Blutzuckerverlauf. Es macht einen Unterschied, ob ich die Pizza mittags esse und mich danach zurück an den Schreibtisch setze oder ob ich mich damit nach einem 10km-Lauf belohne. Man kann sich also durchaus im Dokumentations-Dschungel verlaufen und resignieren, daher sollte man kleine Schritte gehen und primär nur Dinge dokumentieren, die man realistischerweise auch auswerten würde. Dokumentation, die nicht ausgewertet wird, ist das Papier nicht wert.

Achja, und wer gerne mehr über Dokumentation in der IT-Branche erfahren möchte, kann gerne meinen Blog www.agile-dokumentation.de lesen (Werbung Ende).

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