Spritzstellen – warum ich gerne sechs Finger hätte

„Musst du dich jetzt spritzen?“ Meistens stellten Freunde und Bekannte vorsichtig und etwas ängstlich diese Frage zuerst. Und ja, als Typ 1-Diabetiker produziere ich (bald) kein Insulin mehr. Ich muss es extern zuführen. Eine Tablettenalternative wie sie bei Diabetes Typ 2 möglich wäre, gibt es leider nicht. Ich könnte zwar dauerhaft eine Insulinpumpe anbringen, müsste mir also nicht ständig in den Bauch pieksen, aber das kommt für mich noch nicht infrage. Damit bleibt mir nur das Spritzen und das mache ich in der Regel viermal am Tag.

Das Basalinsulin, das nahrungsunabhängig mein Glukosegleichgewicht stabil halten soll, spritze ich jeden Morgen. Das Bolusinsulin soll den Anstieg der Zuckerkurve durch das Essen wieder ausgleichen, daher spritze ich die entsprechende Menge meistens direkt vor dem Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Snacks zwischendrin sollten je nach Kohlenhydratemenge natürlich auch „weggespritzt“ werden. Wenn man das hochrechnet, spritze ich mich also ca. 30 mal in der Woche.

Das Diabetes-Team empfahl mir daher von Anfang an, meinen gesamten Bauchraum dafür zu nutzen und das tat ich auch. Ich dachte per Zufallsprinzip würde das gut klappen, aber der Mensch scheint eben doch ein Gewohnheitstier zu sein. Ich wählte wohl mehrfach die gleichen Stellen aus. Die Spritzen merkt man in der Regel kaum bis gar nicht, wenn sie sich ihren Weg durch die unbeschädigte Haut bahnen. Treffe ich aber eine kürzlich benutzte Stelle erneut, schrecke ich umso mehr zurück, wenn es schmerzt. Was anfangs wie selbstverständlich war, ließ mich nun zögern.

Nach kurzer Internetrecherche stieß ich auf ein Injektionsschema zum Ausdrucken: Injektionsschema (BBraun)

Der Bauchraum wird in Wochentage und Tageszeiten aufgeteilt. Damit man sich orientieren kann, wird ein Loch ins Blatt geschnitten, durch das der Bauchnabel schaut. Das geht schon mal in die richtige Richtung, aber erstens gibt mein Bauch trotz 8kg-Verlust viel mehr her als ein DinA4-Papier abdecken kann und zweitens kommt es mir komisch vor, ständig mit einem Loch im Papier meinen Bauchnabel zu suchen. Aber muss es denn nur der Bauchraum sein? Ich finde weitere Stellen an meinem Körper, die ich zu einer Hautfalte zusammendrücken kann. Unter anderem der Oberschenkel scheint mir eine gut geeignete Stelle zu sein.

Nach Rücksprache mit meiner Ärztin spritze ich fortan morgens das Basalinsulin in den Oberschenkel und erleichtere damit meinen Bauch auf einen Schlag um ca. 25% an Spritzattacken. Um die verbliebene Anzahl strukturiert und ohne Ausdruck um meinen Bauchnabel herum zu verteilen, nehme ich etwas, was ich immer dabei habe: Meine Hand. Ich lege den Handballen auf den Bauchnabel und spreize die Finger. Die Zwischenräume zeigen mir die Bereiche an, die ich montags bis samstags anpeilen kann. In geraden Wochen orientiere ich mich links vom Bauchnabel, in ungeraden rechts. Leider habe ich nur fünf Finger, weswegen ich noch einen weiteren Bereich für den Sonntag finden muss. Ich entscheide mich für Bauchseiten unterhalb des Armes und gewinne dadurch wieder mehr Stechbewusstsein.

2 Kommentare zu „Spritzstellen – warum ich gerne sechs Finger hätte

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