Fünf vor zwölf für den FreeStyle Libre 3 – Die Werte müssen auf die Uhr

Die Blutzuckermessung ist eine entscheidende Säule im Umgang mit Diabetes Typ-1. Durch Sensoren am Arm wie den FreeStyle Libre, müssen sich Menschen mit Diabetes nicht mehr ständig in den Finger piksen, um annähernd aktuelle Werte zu bekommen. Es genügt, das Smartphone oder Lesegerät an den Arm zu halten und eine Sekunde später kann man die Werte der letzten acht Stunden einsehen. Seit mittlerweile neun Wochen bin ich Vater und stelle fest, dass es unterschiedlich gute Seiten für den Sensor gibt.

Wenn ich meine Tochter halte, egal ob normal oder im Fliegergriff, liegt ihr Kopf immer in meinem linken Arm. Es fühlt sich ungewohnt und unsicher an, wenn ich sie anders habe. Ist auch der Sensor im linken Arm, kann ich problemlos meine Werte überprüfen, denn ich kann mit der rechten Hand das Smartphone an den linken Arm führen. Allerdings wechsle ich den Arm alle zwei Wochen und bin dann entsprechend eingeschränkt. Es gleicht einer Yoga-Übung, wenn ich dann versuche „trotz“ Kind die Werte auszulesen und der Gelenkigste war ich noch nie.

Wie schön wäre es doch, die Werte kontinuierlich auf der Smartwatch zu sehen? Eigentlich sind dafür auch alle Voraussetzungen gegeben. Seit dem FreeStyle Libre 2 funkt der Sensor regelmäßig via Bluetooth die Werte an das Smartphone, damit es im Fall der Fälle auch Alarm schlagen kann. Möchte man selbst die Werte aber einsehen, muss aktuell leider noch das Smartphone an den Sensor gehalten werden. Warum das so ist, hat keinen infrastrukturellen Hintergrund, sondern wird von der LibreLink-App von Abbott einfach nicht unterstützt.

Dass ich nicht der erste bin, der diese Probleme hat, war klar. In den einschlägigen Facebook-Gruppen fragt alle zwei Tage ein verzweifelter Diabetiker, wie er denn die Werte auf die Uhr bekäme und ob seine Uhr dafür überhaupt geeignet sei. In der Tat ist das auch nicht ganz einfach, denn die App muss dafür am Computer gepatched und manuell auf dem Smartphone installiert werden. Die ursprüngliche App wird dabei ersetzt und die Werte können kontinuierlich durch andere Anwendungen ausgelesen und dargestellt werden. Die Werte sind so z.B. dauerhaft auf dem Smartwatch-Interface zu sehen. Auch andere smarte Displays, die z.B. in der Wohnung oder im Auto angebracht werden, könnten so für kontinuierliche Blutzuckertransparenz sorgen.

Da das nicht ganz legal und sicherlich überhaupt nicht im Interesse von dem Sensoren-Hersteller Abbott ist, wird die gepatchte App auch nicht als Download angeboten, sondern es kursieren maximal Schritt-für-Schritt-Anleitungen im Netz:

Ich finde die Anleitungen sehr gut und habe so auch eine entsprechende App parat liegen. Allerdings traue ich mich noch nicht, die App auch zu installieren. Erst seit Kurzem liest meine Diabetologin die Werte automatisiert über die FreeStyle Libre-Cloud von Abbott aus und bespricht sie mit mir während der Quartalsgespräche. Würde ich eine gepatchte App verwenden, wäre der automatische Datenfluss in der FreeStyle Libre-Welt unterbrochen und ich müsste manuell nachhelfen. Außerdem lese ich in Facebook auch immer wieder von Problemen, die mit der Lösung „Marke Eigenbau“ auftreten. Wenn meine Werte offen im Internet auslesbar wären, könnten zudem Rückschlüsse auf meinen Alltag und Lebensstil gezogen werden. Auch wenn ich relativ offen damit umgehe, muss das wohlüberlegt sein.

Ich setze aktuell auf die Weiterentwicklung des FreeStyle Libre-Systems. Da die Konkurrenz um Dexcom und Co. zumindest in Sachen Apple Watch vorgelegt hat und ganz aktuell auf der Technikmesse CES eine Uhr vorgestellt wurde, die den Blutzuckerwert sogar ohne weiteren Sensor darstellen kann, ist Abbott unter Druck. Für 2021 ist bereits der FreeStyle Libre 3 angekündigt. Bislang gesichert ist nur, dass sich die Größe des Sensors von einem 5-Mark-Stück auf eine 5-Cent-Münze verkleinert. Ich hoffe, sie haben den Glockenschlag gehört und machen das kontinuierliche Auslesen möglich, damit ich die Werte auf der Uhr sehen oder vielleicht sogar Alexa danach fragen kann.

Photo by Luke Chesser on Unsplash

27 Kommentare zu „Fünf vor zwölf für den FreeStyle Libre 3 – Die Werte müssen auf die Uhr

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    1. Hallo Andrea, leider wollte mir Abbott hier auch keine Auskunft geben. Ich zititere eine Mail „Herr Kollmeier, wir bitten Sie hierzu noch um Geduld, sämtliche Informationen erhalten Sie rechtzeitig via Newsletter oder auf unserer Webseite.“ Schade.

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      1. Hallo, morgen ist Juni! Immer noch keine Neuigkeiten. Schließlich wurde er von einem Influenzer in deutsch schon vorgestellt! Wann ist er endlich für den Normalverbraucher zu bekommen!?

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      2. Hallo David, mir leider nicht bekannt. Ich habe eine frische Ladung Libre 2 bekommen und meiner Anfrage bzgl. Informationen ist Abbott leider nicht nachgekommen.

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      1. Hallo, nach meinem Kenntnisstand kann man aktuell nur den Sensor mit iOS-Geräten nutzen, weil die App nur für iOS verfügbar ist. Ansonsten hängt es wohl wi eimmer an deiner Krankenkasse, sollte aber verfügbar sein. Ich selbst habe Android und meinen Jahresbedarf an Libre2-Sensoren erst vor ein paar Monaten bestellt.

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  1. Ich arbeite jetzt seit einem Jahr mit dem schwedischen Transmitter Bubble, der mir sehr zuverlässig dauerhaft Blutzuckerwerte auf meine Smartwatch schickt. Sehr angenehm und meine Werte sind seitdem um einiges besser geworden.

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    1. Hallo, ich habe gelesen, dass man ggf in Zusammenhang mit der Diabox App keinen Transmitter mehr braucht. Wie ist denn dein Setup? Welches Betriebssystem? Was musstest du machen, dass das funktioniert?

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  2. Habe heute meinen Testsensor Libre3 bekommen. Bin mega begeistert und hoffe das er bald verfügbar ist und ich den dann auch bestellen kann. Arbeite gerade daran die Werte auf meine AppleWatch zu bekommen

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    1. Hallöchen, Wie funktioniert es mit dem freestyle 3? was ist der Unterschied? Ich bin mit dem freestyle 2 auch sehr zufrieden. Dankeschön für eine schnelle Antwort weil ich jetzt neue bestellen muss.

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  3. Sehr geehrte Damen und Herren
    Nachdem der Sensor Typ 3 bald auf den Markt kommt möchte ich wissen ob da typ 2 Lesegerät den Sensor auf erkennen kann.
    Leider ist mein Smartphone xl das ich in der Arbeit nicht verwenden kann aus Sicherheitsbestimmung bei verschiedenen Kunden.
    Bin also auf ein System nicht Smartphone basiert angewiesen.
    Was gibt es da an Lösungen
    Bitte um Info
    Gruss
    WalterEberhardt

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  4. Ich möchte auch gerne künftig das Libre 3 nutzen, stehe noch vor der Entscheidung libre 3 oder Dexcom 6 . Das Abott die Leute aber im dunkeln tapsen läßt und keine Infos über die Verfügbarkeit rausgibt , macht mir wohl die Auswahl der beiden recht einfach.Aber traurig wie man die seine Kunden hängen läßt.

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  5. Hallo,
    Ich bin maßlos enttäuscht das Freestyle für seinen 3er Sensor immer noch nicht die App für die Android-Smartphone veröffentlicht hat.
    Weiß nicht ob es an der Arroganz der Amerikaner liegt oder ob Apple viel Geld bezahlt hat damit man sie bevorzugt.
    Nicht zu unterschätzen in großer Anzahl an Nutzern hält andere Telefon für deutlich besser als Apple und trotzdem lässt uns der Konzern so hängen. liebe Grüße

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  6. Hallo,
    ich bin maßlos enttäuscht, dass für den Sensor 3 bis dato nur eine App für iPhone zur Verfügung gestellt wird.
    Seit Monaten wird für uns Android Leute nichts getan.
    Liegt das an der Arroganz der amerikanischen Firmen oder hat Apple einfach nur mehr Geld bezahlt um hier in den Vordergrund kommen zu können. Es gibt eine nicht zu unterschätzenden Zahl von Handynutzern die Apple für eins der schlechtesten Geräte halten.
    Oder will man so den Abverkauf der alten Sensoren regeln.
    Ich kann das Verhalten nicht verstehen

    LG

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  7. Am 31.10. läuft meine aktuelles Rezept für Freestyle Libre 2 aus. Ich habe ein Android-Smartphone. Nun stehe ich vor der Frage, was ich verschreiben lasse: Noch ein Jahr Libre 2 oder Libre 3 (geht nur, wenn die Android-App bis dahin freigegeben ist) oder gleich der Wechsel zu einem anderen Hersteller?

    Es kann nicht wahr sein, dass es noch immer keine verbindliche Auskunft seitens Abott gibt, wann die App für Android (immerhin bei weitem die Mehrheit der im Markt befindlichen Betriebssysteme) raus kommt.

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  8. Die Apple-Smartphone sind eigentlich für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gedacht.
    Die Medizin hat es so an sich aufgrund ihres hierarchischen Anspruchs, die Patienten möglichst als große Kinder aussehen zu lassen, was der Rückschritt auf Apple (zu deutsch: Veräppeln – oder Wilhelm Tell’s blöder Apfelschuss) beweist. Patienten jedweden Alters gelten dann fast schon als !Most!
    Android Handys (150 EUR) sind deutlich besser und auch preiswerter, denn der „wirklich, aber tatsächlich Freie Markt“ kann verlangen was er will. Apple Handys (550 EUR) sind typische Diskotheken-/Designer-Handys, die nicht viel taugen, aber das bis zu vierfache von Android Handys kosten.
    Wir stimmen der oben genannten Meinung zu:
    Die App für Android muss demnächst kommen. Streng genommen, hat diese schon von Anfang an mit dabei sein müssen und die Möglichkeit von Apple wäre nur ein Zusatz gewesen. Vermutlich haben die Medizintechniker, Designer und Betriebswirte nur gedacht: Es handelt sich um eine App, also App-le, so simpel wird dieser Griff ist Klo, welche andere aus-baden müssen, zu erklären sein. Ärzte (ggf. Multikulti) gehen meist gern oben schwimmen und haben viel Zeit für Kinder. (vgl. Larifari des Anbietermarkts)

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    1. Hallo Aposit, ich wusste nicht, dass in diesem Forum auch so Trolle „rumnölen“. Es kann doch jeder nach seinem Anspruch sein Handy auswählen – was stimmt hier mit dir nicht??? Das ein iPhone deiner Meinung das schlechtere Handy ist, ist wieder einer totalen Abneigung gegenüber Aplle begründet und lässt sich mit so gut wie allen Testberichten widerlegen. Dass die App nicht für Android bereitgestellt wird ist wirklich sch….!!! Da gebe ich dir Recht! Aber bleib beim Thema App für Android.

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  9. Ich habe grade mit dem Service von Abbot gesprochen. Der Launch der Android App ist in den nächsten Monaten nicht absehbar. Vor 2 Monaten haben sie mir gesagt, dass ich das Rezept für Libre 3 bedenkenlos einreichen könne, da die App bis spätestens Dezember fertig sein solle. Jetzt sitze ich auf den Sensoren und kann auch noch schön dafür zahlen sie nicht nutzen zu können. Das Geld kann man mir nicht einfach so erstatten. Alles sehr enttäuschend. Ich werde jetzt doch mit meiner Versicherung über einen Wechsel zu einem anderen Anbieter sprechen.

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    1. Inzwischen gibt es eine Android App, wann genau die auf den Markt gekommen ist weiß ich leider nicht, da ich den Libre 3 erst seit ein paar Tagen habe.
      Die App scheint soweit ganz gut zu funktionieren, jedoch würde ich mir wünschen, dass es eine Funktion gäbe, die Werte auf meiner WearOS (Android) Smartwatch zu betrachten.
      Außerdem läuft die App nicht auf gerooteten Smartphones, da bewusst eine Sperre eingebaut wurde (imho eine Frechheit!), die sich jedoch mit den richtigen Tools (Shamiko + Magisk DenyList) umgehen lässt. Wenn das nicht möglich gewesen wäre, hätte ich die Sensoren direkt zurück geschickt und mal diese Dexcom-Sensoren ausprobiert.

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