Nach dem Essen ruh’n? Besser tausend Schritte tun!

Klar, das Sprichwort geht etwas anders, aber so hat es wenigstens eine klare Handlungsempfehlung. Es wird nicht offen gelassen, ob man jetzt besser ruhen oder doch die sportliche Aktivität vorziehen sollte. Und ein Verdauungsspaziergang hat große Vorteile für unseren Stoffwechsel, wenn man das richtige Timing hat.

Gerade abends ist die Anziehung der Couch nach dem Essen schier unüberwindbar. Nach einem anstrengenden und vielleicht stressigen Tag möchte man einfach nur seine Ruhe haben und entspannen. Doch gerade bei Typ-2-Diabetikern, die abends ihre Hauptmahlzeit einnehmen, ist das gefährlich. Der Blutzucker steigt schnell an und bleibt auf einem höheren Niveau in der Nacht. Auf Dauer – das ist bekannt – können durch überdurchschnittlich hohe Zuckerwerte Nerven oder Organe in Mitleidenschaft gezogen werden.

Laut einer Studie von Reynolds, N.A. et al. (2018) sei es daher besser, den inneren Schweinehund zu besiegen und einen kurzen Spaziergang zu machen. Tatsächlich sollen etwa 15 Minuten zum richtigen Zeitpunkt nach dem Essen besser sein, als eine längere Zeitspanne zu einem beliebigen Zeitpunkt. Gerade bei fetthaltigem Essen braucht es einen Moment bis der Blutzuckerspiegel ansteigt. Das Experiment untersuchte daher drei Gruppen:

  1. keine Aktivität
  2. 15 Minuten nach dem Essen
  3. 45 Minuten nach dem Essen

Reynolds fand dabei heraus, dass zwischen den ersten beiden Gruppen kaum ein Unterschied in Bezug auf die Blutzuckerkurve festzustellen war. Geht man direkt nach dem Essen los, reduziert der Körper vorzeitig die Insulin-Ausschüttung. Da erst nach über 30 Minuten das Insulin maximal ausgeschüttet ist, erzielte die dritte Gruppe die größten Effekte.

Normalerweise würde ich sagen: Was für Typ-2-Diabetiker gut ist, kann für Typ-1-Diabetiker nicht schlecht sein. Aber natürlich sind diese Effekte für Typ-1-Diabetiker nochmal anders zu bewerten. Hier produziert der Körper am Ende gar kein Insulin mehr. Also müsste der Zeitpunkt des Spaziergangs weniger entscheidend sein. Typ-1-Diabetiker könnten daher nach einer Schnellthese von mir auch direkt nach dem Essen spazieren gehen. Das Insulin ist ja ohnehin dann schon im Körper. Die verschiedenen „externen“ Insuline haben aber auch unterschiedliche Wirkprofile, die es vermutlich bei der Überprüfung der These zu berücksichtigen gelte.

Kurzum: Für Typ-2-Diabetiker und gesunde Menschen gilt das Sprichwort vielleicht doch noch etwas anders: „Nach dem Essen sollst Du ruh´n UND die tausend Schritte tun.“ Wir vom Typ-1-Schlag könnten uns direkt den Schritten widmen oder wenn die Couch schreit, am Ende einfach etwas mehr Insulin spritzen.

Photo by Frank Busch on Unsplash

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