Die Bauchspeicheldrüse – der stille Freund und das Meer

Meine Frau und ich haben im Wohnzimmer eine Landkarte hängen, auf der wir sehen können, in welchen Teilen der Erde wir schon gemeinsam waren. Das erinnert uns immer wieder erneut an schöne Urlaube und motiviert, beim nächsten Mal noch nicht besuchte Länder zu bereisen. Dieser Entdeckerdrang wurde abrupt durch das Corona-Virus gestoppt. Trotzdem wollten wir unseren Horizont erweitern und schauten uns die Langerhans-Inseln genauer an.

Wer jetzt kurz davor ist, Google Maps zu öffnen, um zu schauen, ob es sich um eine Inselkette in der Karibik handelt, sollte besser mal in sich selbst horchen. Die Langerhans-Inseln sind ein kleiner Teil der Bauchspeicheldrüse (auch Pankreas genannt), mit der ich mich vorher ehrlicherweise noch nie beschäftigt habe. Zu Unrecht musste ich feststellen, denn die Bauchspeicheldrüse erfüllt wichtige Aufgaben in unserem Körper.

Zunächst mal produziert der Hauptteil (98%) – und das sollte keinen überraschen – Bauchspeichel. Zusammen mit den Gallensäften, auf die sie im Zwölffingerdarm treffen, sorgen die Enzyme im Bauchspeichel für eine gute Verdauung. Sie spalten die in der Nahrung enthaltenen Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße auf. Etwa zwei Liter Verdauungssekrete produziert das unscheinbare Organ, das sich mit im Schnitt 80g Gewicht und 15-20cm Länge hinter dem Magen versteckt, dafür täglich.

Verortung der Bauchspeicheldrüse: Photo by Joyce McCown on Unsplash (edited)

Über die restlichen zwei Prozent erstrecken sich die Langerhans-Inseln, die aus etwa 2.000.000 Zellen bestehen. Die unterschiedlichen Zellen erfüllen durch das Ausschütten von Hormonen verschiedene Aufgaben:

  • α-Zellen sorgen dafür, dass Glukagon aus der Leber ausgeschüttet wird, wenn zu wenig Zucker im Bluthaushalt vorhanden ist.
  • β-Zellen sind die natürlichen Gegenspieler und produzieren Insulin, was die Zuckerwerte nach unten treibt.
  • Die PP-Zellen bilden das pankreatische Polypeptid und sorgen so für ein Sättigungsgefühl. Warum sie nicht einfach γ-Zellen heißen, konnte ich leider nicht herausfinden.
  • δ-Zellen verringern durch Somatostatin die weitere Produktion von Magensaft und Bauchspeichel.
  • ε-Zellen produzieren Ghrelin, das Hungersignale aussendet, aber auch mit Alkoholsucht in Verbindung gebracht wird.

Bei Diabetikern bedroht der autoimmune und steigende T-Zellen-Meeresspiegel die Inselidylle. Die β-Zellen-Inseln gehen nach und nach unter und können kein Insulin mehr produzieren. Der Untergang scheint so unaufhaltsam wie der Klimawandel. Forscher sind schon dabei, Sand aufzuschütten und eine „Bionic Pancreas“ zu entwickeln: Eine künstliche Bauchspeicheldrüse, die zumindest die Aufgabe der β-Zellen übernehmen soll. Das folgende Video zeigt anschaulich die ersten Überlegungen dazu.

Photo by jcob nasyr on Unsplash

3 Kommentare zu „Die Bauchspeicheldrüse – der stille Freund und das Meer

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