Covid-19: Zwischen Hoffnung und Angst

Als bei mir Diabetes diagnostiziert wurde, war „Corona“ mitten in der heißen Phase. Alle Veranstaltungen wurden abgesagt, die Restaurants konnten Essen maximal „zum Mitnehmen“ anbieten und das Treffen mit anderen Haushalten löste Unbehagen aus. Ich fragte mich schon zu Beginn, ob es ein Zufall ist, dass sich gerade in dieser Zeit mein Zustand so verschlechterte.

Der Lockdown

Körperliche Bewegung senkt den Blutzuckerspiegel und die Insulinempfindlichkeit wird gesteigert. Es ist also für meine geschädigte Bauchspeicheldrüse leichter, die Kohlenhydrate in die Zellen zu bekommen, wenn ich Sport mache. Vor Corona lief ich 10.000 Schritte, alleine um zur Arbeit und zurück zu kommen. Ich spielte mindestens einmal pro Woche Tischtennis und ging hin und wieder joggen. Während des Lockdowns war ich mit zehn Schritten bereits im heimischen Büro, wusste einen gut gefüllten Süßigkeitenschrank im Wohnzimmer und Vereinssport war nicht mehr möglich. Aus heutiger Sicht also nachvollziehbar, dass die Diagnose in diese Zeit fällt.

Die Ursache

Im Krankenhaus wurde mir direkt gesagt, dass die Forschung zur Ursache des Diabetes Typ 1 noch am Anfang stehe und kein offensichtlicher Grund bekannt sei. Mit dieser Information konnte ich mir zumindest einreden, dass ich keine Schuld an meiner Situation habe.

Vor Kurzem schrieben Ärzte einen offenen Brief an das Fachblatt „New England Journal of Medicine“, um ihren Verdacht publik zu machen, dass Covid-19 Diabetes auslösen könnte. Auch andere Vireninfektionen wie Mumps standen in der Vergangenheit immer wieder unter Verdacht. Es könnte sein, dass der Virus in die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse vordringt, sich vermehrt und so die Blutzuckerregelung stört. Nach überstandener Corona-Infektion und wenn nicht zu viele Beta-Zellen in Mitleidenschaft gezogen wurden, bestünde sogar die Möglichkeit der Heilung. Auch wenn ich mir in der Honeymoon-Phase (Der Honeymoon, der kein Ende nehmen soll) keine Hoffnung auf Heilung machen sollte, so löste diese Information doch positive Gedanken in mir aus und ich suchte sofort meine Diabetes-Ärztin auf.

Sie machte mir aber deutlich, dass die Hoffnungen sehr wahrscheinlich unbegründet sind. In meinem Körper wurden bereits mehrere Antikörper festgestellt, die auf eine Autoimmunreaktion des Körpers hindeuten. Ob diese entstanden, weil der Körper versuchte die Corona-Viren loszuwerden, ist für das Resultat unerheblich: Sie lösen Diabtes Typ 1 aus und der ist aktuell nicht heilbar.

Die Bedrohung

Ein Zusammenhang zwischen Covid-19 und Diabetes besteht wohl leider auch bei der Schwere des Krankheitsverlaufs. Das Sterberisiko bei Diabetikern nach einer Corona-Infektion liegt um fast 50% höher. Bei dieser Studie scheint auch die Diabetes-Einstellung des Patienten keine Rolle zu spielen. Es wird noch diskutiert, ob vor allem andere mögliche Begleiterkrankungen oder Umstände von Diabetikern (wie Alter, Übergewicht, Bluthochdruck…) eine Rolle spielen. Es gibt auch Meinungen und Indizien, dass Diabetiker vom Typ 1, die ansonsten gesund sind, ein erhöhtes Risiko haben. Die deutsche Diabetesgesellschaft hält aber trotzdem noch an ihrer Aussage fest, dass ein gut eingestellter Diabetes kein zusätzlicher Risikofaktor sei. Weiter empfehlen sie eine kohlenhydratarme Ernährung und viel Sport. Damit kann sogar eine Diabetesremission (Honeymoon) erreicht werden, die wohl am besten gegen Covid-19 wappnet.

Mein Fazit

Auch wenn die Hoffnung auf Heilung nicht gegeben ist, so hoffe ich trotzdem, dass Covid-19 die Ursache für meinen Diabetes ist und ich so vielleicht geschützter vor einer erneuten Infektion bin. Außerdem benötige ich seit mittlerweile einer Woche bei viel körperlicher Bewegung kein Insulin mehr, bin also vollkommen in der Remissionsphase angekommen.

Ich hoffe, keine Angst haben zu müssen.

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Photo by CDC on Unsplash

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