Happy Diaversary? Ein Jahr Diabetes Typ 1

Irgendwie finde ich es affig, den Jahrestag der Diabetes-Diagnose als „Diaversary“ zu feiern. Man erinnert sich ja auch nicht an das Datum zurück, an dem man das erste Mal eine Brille getragen hat oder die Haselnuss-Allergie zu Tage trat. Es ist nun einmal da. Man lebt damit. Gott sei Dank lebt man damit. Ich möchte trotzdem den Anlass nutzen, um mit ein paar Zahlen auf das erste Jahr Diabetes zurückzuschauen.

Am 28.04.2020 kam ich mit Werten über 600 mg/dl ins Krankenhaus. Der HbA1c lag bei 10,8%, was bedeutet, dass ich in den vorherigen 3 Monaten im Schnitt einen Blutzuckerwert von ca. 280 mg/dl hatte. Mittlerweile bin ich wieder bei einem gesunden HbA1c-Wert von 5,5% angelangt. Den Weg dahin zeigt die folgende, animierte Grafik. Sie stellt meine kompletten bisherigen Durchschnittswerte im 2-Wochen-Takt dar.

Dass ich so schnell wieder in den grünen Bereich gekommen bin, habe ich wohl allen voran meiner Bauchspeicheldrüse zu verdanken, die die Remission gestartet hat. Aber auch das Diabetologinnen-Team, das mich von Anfang an gut einstellte, hatte Anteil daran, dass ich mich gut selbst versorgen kann.

So habe ich bislang ca. 10.000 mal das Lesegerät oder Smartphone an den Arm gehalten. Hier scheine ich über dem Durchschnitt zu liegen, wenn man dem Gesichtsausdruck meiner Diabetes-Ärtztin glaubt. Aber gerade wenn ich im Bereich der Unterzuckerung bin, z.B. beim Joggen, kontrolliere ich ziemlich engmaschig. Außerdem öffne ich mit dem Auslesen auch die App, so dass ich direkt an der richtigen Stelle zum Eintragen bin. Daher kann selbst eine Mahlzeit 2-3 Scanns auslösen.

Ich habe mir wohl auch ca. 1.000 mal in den Bauch gespritzt. Sicherlich ist das nicht der schönste Teil der Erkrankung, aber auch das läuft mittlerweile äußerst routiniert. Durch das Wechseln der Spritzstellen tut es in den allerwenigsten Fällen weh.

Auf das „Blutigmessen“ kann ich mittlerweile fast ganz verzichten. Trotzdem habe ich mir wohl ca. 100 mal in den Finger gestochen. Während es am Anfang noch mehrmals täglich war, kontrolliere ich aktuell höchstens alle zwei Wochen die Genauigkeit meines Sensors.

Die Tatsache, dass ich ca. 50 mal nachts aufgestanden bin, um noch etwas zu essen, lässt sich primär auf Ungenauigkeiten des Sensors zurückführen. Oft ist es so, dass ich Werte um die 80 mg/dl habe, der Sensor aber punktuell unter die eingestellten 60 mg/dl rutscht. Am Morgen danach kann man an der Kurve dann sehen, dass es sich um einen fehlerhaften Ausschlag gehandelt haben muss. Wenn man direkt auf dem Sensor liegt, kommt es ebenfalls dazu, dass der Alarm losgeht, weil vermutlich nicht ausreichend Gewebeflüssigkeit an den Sensor gelangt.

Seit letztem Jahr habe ich „dauerhaft“ ca. 5 kg abgenommen. Durch regelmäßigen Sport und vor allem bewussteres Essen kann ich die verlorenen Kilogramm quasi halten. Mit ca. 81 kg bei einer Körpergröße von 1,83m fühle ich mich aktuell auch sehr gut.

Nach einem Jahr Diabetes hadere ich nicht mit der Krankheit, weiß aber auch, dass nach der Remission sicherlich noch die ein oder andere herausfordernde Situation auf mich wartet.

Photo by Jackie Hope on Unsplash

3 Kommentare zu „Happy Diaversary? Ein Jahr Diabetes Typ 1

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  1. Verwendest du denn den Libre oder Libre2? Ich habe den Libre damals nur in den ersten 6 Monaten gescannt. Danach habe ich selbst in ein MiaoMiao investiert und hatte damit ein CGM System. Kombiniert mit Xdrip+ konnte ich damit Alarme sehr flexibel einrichten. Das ganze ist zwar nicht zertifiziert, dafür aber alles OpenSource und von der Qualität und Anpassbarkeit besser als alles was ich in kommerzieller Form gesehen habe. Wenn sich jemand so wie du mit der Thematik auseinandersetzt könnte das eine große Hilfe sein. Und bzgl deiner Statistik Interessen könnte dann auch Nightscout interessant sein.

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    1. Hallo Markus, ich habe in der Tat von Anfang an den Libre 2. Leider haben sie hier ja die MiaoMiao-Variante unterbunden. Man muss nun die App patchen damit das mit xdrip funktioniert. Ich war schon mal kurz davor, hatte dann aber doch Resepekt davor, dass anscheinend schon vermehrt Verbindungsfehler etc. auftreten. Was nutzt du jetzt?

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      1. Hallo Christian,
        ich habe seit etwa einem Jahr eine Insulinpumpe von Medtronic 670g. Der dazu gehörige CGM Sensor muss mindestens 2 mal am Tag kalibriert werden und das ganze System ist schrecklich zugestopft. Ich musste hart dafür kämpfen das System von der Krankenversicherung zu erhalten und ich Ich hätte mich vorher besser Informieren müssen wie es anderen mit dem System geht, denn die Sensoren sind eine Zumutung und die Einstellbarkeit ist sehr eingeschränkt.
        Bzgl. des Libre2 mit MiaoMiao bin ich nicht so sicher. Ich hatte meinen MiaoMiao mit einer neuen Firmaware aktualisiert die angeblich auch den Libre2 unterstützt, konnte aber nie ausprobieren ob das wirklich funktioniert.

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