Warum ich eigentlich keinen Diabetes mellitus mehr habe

Als Diabetiker muss man sich an vieles Neues im Alltag gewöhnen. Auch das ein oder andere Fremdwort schleicht sich in den Sprachgebrauch, ohne dass man immer die genaue Herkunft des Wortes kennt. Mich beschäftigt daher, was es z.B. mit Bolus- und Basal-Insulin auf sich hat und was Diabetes mellitus eigentlich bedeutet.

Der Typ-1-Diabetes entsteht dadurch, dass die β-Zellen vom eigenen Immunsystem angegriffen werden und sie auf kurz oder lang die Insulinproduktion einstellen. Die β-Zellen befinden sich quasi in einer Inselähnlichen Anordnung in der Bauchspeicheldrüse, den Langerhans-Inseln. Insulin leitet sich daher von Insula, der Insel ab.

Die meisten Diabetiker spritzen sich Bolus-Insulin zu den Mahlzeiten. Das Insulin ist kurz- und schnellwirksam. Es wirkt im Schnitt nach ca. 15 min und hält nur wenige Stunden an. Wenn man die benötigte Menge richtig berechnet hat, gleicht es die Blutzuckerspitzen wieder aus, die durch die Kohlenhydrate im Essen entstehen würden. Auch wenn Bolus ein Name ist, der vor allem in den USA vorkommt und es sogar Personen gibt, die Bolus Bolus heißen, ist der Begriff nicht auf den Namen seines Entdeckers oder Erfinders zurückzuführen. Bolus leitet sich in diesem Zusammenhang von dem griechischen Wort bolos (βόλος) ab, was soviel wie „Klumpen“ bedeutet. Viel Insulinmenge „klumpt“ sich quasi in einem engen Zeitraum zusammen. Bolus kann aber auch „Bissen“ heißen und würde daher zur deutschen Begrifflichkeit „Mahlzeiten-Insulin“ noch besser passen.

Bolus-Insulin alleine reicht dem Typ-1-Diabetiker nicht. Der Körper braucht eine gewisse Grundmenge an Insulin, um die Blutzuckerkurve stabil zu halten. Basal-Insulin bildet hierfür nicht nur durch den Wortstamm die Basis. Das grundlegende Insulin wird in der Regel einmal am Tag gespritzt, sofern man nicht noch in der Remissionsphase ist.

Die Remissionsphase leitet sich aus dem Lateinischen „remittere“ ab, was „nachlassen“ bedeutet. Die Krankheitssymptome nehmen zwar ab, der Patient wird aber dennoch nicht gesund. Es ist nur eine Phase, die ein sicheres, wenn auch zeitlich unbestimmtes Ende hat.

Die Kunst im Diabetes-Management besteht darin, den Blutzucker im Gleichgewicht zu halten und weder in Über- noch Unterzuckerungen zu laufen. Die Fachbegriffe dafür sind Hyperglykämie und Hypoglykämie. Hyper und Hypo sind dabei 1:1 aus dem griechischen übersetzt und bedeuten über und unter. Glykämie setzt sich aus den ebenfalls griechischen Wörtern glykýs = süß und haĩma = Blut zusammen.

„Übersüßes Blut“ beschreibt das Hauptproblem bei Diabetes eigentlich ganz gut. Dabei hat das griechische Wort diabḗtēs gar nichts mit Zucker oder Süße zu tun. Ca. 100 n.Chr. wurde mit dem Begriff nur das erste Symptom, nämlich der deutlich vermehrte Harnauslass beschrieben. Der griechische Arzt Aretaios schilderte die Krankheit wie folgt: „Diabetes ist ein furchtbares Leiden, nicht sehr häufig beim Menschen, ein Schmelzen des Fleisches und der Glieder zu Harn… Das Leben ist kurz, unangenehm und schmerzvoll, der Durst unstillbar, … und der Tod unausweichlich.“ (Quelle). Erst im 17. Jahrhundert prägte der englische Arzt Thomas Willis den Zusatz „mellitus“. Er fand durch Trinken des Urins, ja durch Trinken des Urins, heraus, dass der Harn honigsüß (lateinische: mellitus) schmeckte.

Daher komme ich zu der Erkenntnis, dass ich durch regelmäßiges Spritzen von Klumpen-Inseln übersüßes Blut und damit vermehrten honigartigen Durchfluss verhindere. Ich habe damit zwar nach wie vor Diabetes mellitus und gleichzeitig keinen Diabetes mellitus mehr. Zumindest denke ich das, probiert habe ich es nicht.

Photo by Arwin Neil Baichoo on Unsplash

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