Corona und Diabetes Typ 1 – Ein Update

Im Juli 2020 schrieb ich meinen ersten Blog-Beitrag über Corona und Diabetes Typ-1 (hier). Das Virus war zu diesem Zeitpunkt etwa ein halbes Jahr im Umlauf. Forscher stellten die Hypothese auf, dass Covid-19 sogar Diabetes auslösen könnte und die Deutsche Diabetes Gesellschaft hielt an ihrer Aussage fest, ein gut eingestellter Mensch mit Diabetes hätte kein erhöhtes Risiko gegenüber gesunden Menschen. Jetzt, ein weiteres halbes Jahr später wütet das Virus schlimmer denn je und auch in meinem unmittelbaren Umfeld ist das Risiko greifbar geworden. Ich frage mich daher erneut, wie risikoreich eine Infektion aus Sicht eines Diabetikers wäre.

Francisco Javier Carrasco-Sánchez erforschte an der spanischen Universitätsklinik Juan Ramón Jiménez, dass das Sterberisiko an Covid-19 vor allem mit erhöhten Blutzuckerwerten steigt. Eine Studie an mehr als 10.000 Patienten zeigte, dass Corona-Erkrankte mit einem Blutzuckerwert von mehr als 180 mg/dl mit einer Wahrscheinlichkeit von 41,1 % an dem Virus verstarben. Hatten sie bei der Einlieferung Werte zwischen 140 mg/dl und 180 mg/dl lag die Wahrscheinlichkeit mit 33% immer noch mehr als doppelt so hoch wie bei gesunden Blutzuckerwerten von unter 140 mg/dl. Hier zeigte sich eine Sterblichkeitsrate von 15,7%. Entsprechend hoch ist auch der Anteil derer, die wegen Covid-19 und zu hohen Blutzuckerwerten auf der Intensivstation liegen bzw. beatmet werden müssen (Quelle: aerzteblatt.de).

Allerdings zeigte die Studie auch, dass auch Menschen betroffen sind, die vor der Erkrankung keinen nachgewiesenen erhöhten Blutzuckerwert hatten. Das lässt die Vermutung zu, dass Covid-19 durch die Beeinträchtigung des Stoffwechsels auch die Blutzuckerwerte Gesunder durcheinander bringt. Einen Zusammenhang zwischen Covid-19 und Diabetes stellen auch Forscher des Brigham and Women’s Hospital in den USA her. Sie wissen, dass Covid-19 Insulin-produzierende Zellen in der Bauchspeicheldrüse befallen und somit zu einer Ketoazidose führen kann (Quelle: businesstoday).

Durch Covid-19 kann sogar eine Typ-1-ähnliche Erkrankung entstehen. Dieses Phänomen erreichte inzwischen auch Deutschland. Ein Patient aus Kiel hatte zwar Symptome der Zuckerkrankheit, aber weder waren die für Diabetes Typ-1 bekannten Antikörper, noch eine genetische Veranlagung für Autoimmunerkrankungen nachweisbar (Quelle: SWR).

Meine anfängliche Vermutung, dass auch bei mir Covid-19 der Auslöser für meine Krankheit sein könnte, wurde durch den Nachweis der typischen Antikörper entkräftet. Da ich Ende April mit Werten über 600 mg/dl ins Krankenhaus kam, bin ich einfach nur froh, dass der Diabetes entdeckt wurde, bevor ich mich möglicherweise doch mit Covid-19 infiziere. Meine Chancen wären wahrscheinlich nicht allzu gut gewesen. Jetzt habe ich es selbst in der Hand, meine Werte im Zielbereich zu halten und die Erkenntnis, dass bei Blutzuckerwerten von maximal 180 mg/dl 98,2 % der Patienten mit Diabetes und COVID-19 überleben macht dabei Mut (Quelle: medical-tribune.de).

Da mittlerweile schon der zweite Impfstoff zugelassen werden konnte, ist ein Ende der Pandemie absehbar. Durch meine Krankheit bin ich in Sachen Impfpriorität in Gruppe 3 von 4. Das lässt ebenfalls Rückschlüsse zu, dass man mit Diabetes alleine nicht zur Hochrisikogruppe zählt. „Mit erhöhter Priorität“ werde ich dann trotzdem wohl früher geimpft als der Durchschnitt und freue mich darauf.

Photo by Markus Spiske on Unsplash

2 Kommentare zu „Corona und Diabetes Typ 1 – Ein Update

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  1. Lieber Christian. Wie immer informativ als auch unterhaltsam geschrieben. Meine Konklusion: Man braucht Glück im Leben. (Woody Allen) – Und: ich habe einen gewissen Bammel vor der Impfung, denn sie birgt noch ungeklärte Risiken. Ich freue mich drauf. Aber sie muss wohl sein, alles Andere wäre nicht zu verantworten.
    So bleibt nur zu hoffen, dass es 2021 wieder aufwärts gehen wird. Mit dem notwendigen Quantum an Glück.
    Ich freue mich auf deinen nächsten Text. LG Alfred

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  2. Hallo,

    habe heute deinen Blog entdeckt und natürlich verfolge ich Corona und Diabetes. Mit Diabetes wirst Du Gruppe 2 oder 3 in der Impfreihenfolge zugeordnet. Solltest du schlechte HbA1c Werte haben (>= 7,5 ), so bekommst Du einen früheren Impftermin durch Zuordnung zur Gruppe 2. Besitzt Du einen besseren HbA1c Wert (< 7,5) so wirst Du etwas länger warten müssen, da Gruppe 3 zugeordnet. Diese Logik zur Dringlichkeit ist für mich plausibel, da dadurch Menschen mit höherem Gefährdungsrisiko früher geimpft werden sollen. https://www.diabetes-news.de/nachrichten/neues-zur-corona-impfung-fuer-menschen-mit-diabetes

    Ich selber bin Typ 1 Diabetiker seit 1986, also schon recht lange und seit kurzem Rentner. Mit Stand heute sind dies 35 Jahre Diabetes. Ich steuere meinen Diabetes weitgehend alleine, da durch regelmäßiges Messen, sich verbessernde Messtechnik und die wachsende Erfahrung man sich sehr gut selbst managen kann. Ich habe bisher so gut wie keine Diabetes-Spätfolgen, die mein Leben beeinträchtigen.

    Du bist jetzt noch in der Lernphase, wo ein regelmäßiger und ausführlicher Austausch mit dem Diabetologen notwendig ist. Zusätzlich empfehle ich Mitlesen und Mitdiskutieren in den Foren:
    https://insulinclub.de
    https://www.forum.diabetesinfo.de
    Hier hole ich mir Erfahrungen aus der Praxis und bekomme Weiterentwicklungen zur Diabetesbehandlung in einer frühen Phase. Zusätzlich lese ich in Englisch-sprachigen Foren mit.
    https://forum.fudiabetes.org

    Nun zurück zur Corona-Impfung. Alle Untersuchungen und Analysen, die ich in der SZ und auf ZEIT ONLINE gelesen habe, sprechen eindeutig für eine Impfung. Ich warte also schon sehnsüchtig auf einen Impftermin. Die erste Impfung bringt etwa 80% Schutzwirkung und die fehlenden 20% in einer zweiten Impfung, die ruhig zwei oder drei Monate später kommen kann. Die ursprüngliche Strategie der STIKO (Ständige Impfkommission) die zweite Impfung bereits nach zwei Wochen zu machen, hat sich nach breit angelegten Untersuchungen in UK als nicht optimal herausgestellt. Aus Schottland liegen inzwischen valide belegte Untersuchungsergebnisse vor, die ein Umdenken bei der STIKO bewirkt hat. Alle Impfstoffe incl. AstraZeneca haben mein Vertrauen – auch nach den Thrombosefällen in der letzten Woche -.

    Verweise auf den ZEIT ONLINE Artikel, den Du hoffentlich lesen kannst. Ich selber bin Abonnent der ZEIT:
    "Studie findet kein höheres Thromboserisiko bei AstraZeneca-Impfstoff
    Eine breit angelegte Untersuchung für die Zulassung in den USA stellt eine Wirksamkeit von 79 Prozent fest. Einen Nachweis von mehr Thrombosen gab es nicht."
    https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2021-03/corona-impfstoff-astrazeneca-thrombose-nebenwirkung

    Mit einem regelmäßigen HbA1c Wert unter 7 werde ich wohl noch zwei Monate warten dürfen. Trotzdem schwanken meine BZ-Werte aufgrund meiner ICT Behandlung, bei der ich mindestens 4-mal messe vor dem Essen und dann den Spritz-Ess-Abstand danach steuere. Zusätzlich den glykämischen Index beachten, also wie schnell erhöht ein Nahrungsmittel den BZ-Wert.

    So, nun sind es mehr Zeilen geworden… habe als Rentner auch mehr Zeit.

    Grüße

    Rüdiger

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