HbA1c – Eine Reise in die süße Vergangenheit

Die meisten werden es kennen: Der jährliche Kontrolltermin beim Zahnarzt steht an. Morgens werden besonders gut die Zähne geputzt, in der Hoffnung, dass man wieder mal ohne bleibende Schäden davonkommt. Rational ist das nicht. Hat sich Karies mal breit gemacht, hilft auch der kurzfristige Großputz denkbar wenig. So ähnlich verhält es sich mit dem Diabetes-Kontrolltermin.

Alle drei Monate habe ich einen Kontrolltermin bei meiner Diabetologin. Es wird Blut abgenommen, um meinen Umgang mit der Krankheit nachzuvollziehen und mögliche Langzeitschäden frühzeitig abzuwenden. Allerdings bringen auch hier kurzfristige Anpassungen des Lebensstils herzlich wenig. Während der Blutzuckerwert, den ich für mich messen kann, nur eine Momentaufnahme ist, kann der im Blut bestimmte HbA1c-Wert den Durchschnitt der letzten 90 Tage offenlegen. Aber wie funktioniert das?

Hierbei spielt Hämoglobin (Hb) eine entscheidende Rolle. Als Farbstoff der roten Blutkörperchen bekannt, transportiert es den Sauerstoff zu den einzelnen Organen. Bei hohen Blutzuckerwerten lagert sich Zucker am Hämoglobinmolekül an. Der HbA1c-Wert sagt nun aus, wie der prozentuale Anteil dieser Verzuckerung ist. Normwerte liegen zwischen 4,8% und 5,9%. Nach drei Monaten haben sich die Blutkörperchen erneuert und man kann nicht weiter in die Vergangenheit schauen.

Mit meinen 6% war die Ärztin sehr zufrieden und ich ärgerte mich ein wenig, dass ich nicht 0,1% „besser“ war. Allerdings empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft für Typ-1-Diabetiker einen durchschnittlichen Wert von unter 7,5%, solange das nicht mit Unterzuckerungen bezahlt wird. Der HbA1c-Wert ist eben doch nur ein Durchschnittswert und kann auch durch abwechselnd starke Über- und Unterzuckerungen vermeintlich zufriedenstellend sein. Es empfiehlt sich daher, einen zweiten Wert heranzuziehen: der Anteil der Zeit im Zielkorridor von (i.d.R.) 70 mg/dl – 180 mg/dl, was durch kontinuierliche Glukosemesssysteme möglich gemacht wurde. Hier bin ich mit aktuell 95% ähnlich gut unterwegs.

Zu hoher Zuckerkonsum fällt also nicht nur beim Zahnarzt auf. Es empfiehlt sich auch für Gesunde, dauerhaft gesund zu leben – für sich und nicht für den Kontrolltermin.

Photo by Eric Rothermel on Unsplash

Ein Kommentar zu „HbA1c – Eine Reise in die süße Vergangenheit

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  1. Hochinteressant und sehr anschaulich geschrieben – wie immer 👍
    Schon mal dran gedacht, deine Texte als Reader/Ratgeber o.ä. zu publizieren ?
    Grüße Alfred

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