Happy Hypo – Die sanfte(re) Art der Unterzuckerung

Wer bei „Happy Hypo“ an den süßen Snack von Kinder denkt, liegt nicht ganz richtig. Ja, es geht zwar um Zucker, aber um Unterzucker. Unter Hypoglykämie versteht man die Absenkung des Blutzuckerspiegels in einen unüblichen Bereich (ca. unter 60 mg/dl). Wenn man meine anfänglichen Werte von über 500 mg/dl im Hinterkopf hat, kann man es schon als Erfolg verkaufen, dass ich mich jetzt mit diesem Thema auseinandersetze.

Ein gesunder Körper stoppt die Insulinproduktion, wenn die Blutzuckerwerte fallen. Bei Diabetes ist das nicht möglich, denn das gespritzte Insulin ist ja schon im Körper verteilt. Aber es gibt einen Plan B: der Körper animiert mit Stresshormonen die Leber, Glukose auszuschütten. Unter Alkoholeinfluss funktioniert dieser Plan nicht, denn die Leber ist mit dem Abbau von Giftstoffen beschäftigt. Aber auch so ist es eben nur eine Notlösung und bringt Begleiterscheinungen mit sich:

  • Herzklopfen
  • Schwindelgefühle
  • Heißhunger
  • Angst
  • Halluzinationen
  • Müdigkeit

Damit fordert der Körper einen gleichzeitig zum Handeln auf. Es ist quasi die letzte Warnung bevor man das Bewusstsein verliert.

Menschen in einer Unterzuckerung können reizbar und aggressiv reagieren. Vielleicht fallen verletzende Worte. Nehmen Sie diese nicht ernst; der Betroffene ist sich der Bedeutung nicht bewusst.

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Bislang kam es noch nicht soweit, dass ich meine Mitmenschen beschimpfte oder halluzinierte, denn durch den Sensor am Arm werde ich rechtzeitig gewarnt und kann ohne größere körperliche Anzeichen entgegenwirken. Man geht so mit viel mehr Sicherheit ins Bett, allerdings wird man mit Sicherheit auch hin und wieder geweckt. Der Unterzuckerungsalarm hat in den letzten Nächten pünktlich um 4 Uhr zugeschlagen. Die Konsequenz: Ich muss aufstehen, Traubenzucker essen und am besten noch eine Banane oder ein Brot.

Jetzt gilt es eine Lösung dafür zu finden, denn mit dieser Tatsache habe nicht nur ich Diabetes, sondern auch meine Frau leidet so unter Diabetes Typ-F (für Familie). Nach einem Gespräch mit der Ärztin haben wir das Basal-Insulin, das die Grundinsulinmenge über den Tag hochhält, gesenkt. Ein sogenannter Basalratentest soll hier nochmal genauer Werte liefern, allerdings muss ich dafür das Abendessen mehr oder weniger ausfallen lassen. Ich aß einen grünen Salat.

Blutzuckerkurve während des Experiments

Das Experiment startet gleich mit einem Doppelschlag. Wir gingen um ca. 23:30 Uhr schlafen und um 1:20 Uhr weckte uns der erste Alarm. Nach routinierter Einnahme von zwei Traubenzucker-Täfelchen und einer Banane wähnte ich mich in Sicherheit und war auf dem besten Wege wieder einzuschlafen, als keine 10 Minuten später der zweite Alarm brummte. Ich ignorierte ihn und hoffte, dass der Zucker und die Banane ihren Job machten. Leider ist bei Bananen im Moment auch Kurzarbeit angesagt. Der nächste Alarm ging um 04:30 Uhr los und ich entschloss mich ins Wohnzimmer zu ziehen, um hier wieder Traubenzucker und diesmal ein halbes Brötchen zu essen. Das erwies sich als bessere Wahl.

Mein Fazit: Obwohl ich seit einer kleinen leckeren Zimtschnecken-Sünde um ca. 16:30 Uhr kein Insulin mehr zu mir genommen habe, schien mein Körper mehr als gut mit der Banane zurecht zu kommen. Entsprechend habe ich jetzt das Grundinsulin (Basal) eigenmächtig um eine weitere Einheit gesenkt.

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