Was wäre, wenn…ich in den Urlaub fahre

Es reicht schon lange nicht mehr, nur an die eigene Zahnbürste und vielleicht eine Wechsel-Unterhose zu denken, um ein paar Tage außer Haus über die Runden zu kommen. Alleine als kleine Familie muss man beim Packen besonders aufmerksam sein, um auf viele Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Coronabedingt waren wir seit meiner Diagnose und der Geburt unserer Tochter nicht mehr ernsthaft im Urlaub gewesen. Bislang waren wir nur ein paar Tage bei der Ur-Oma in der Rhön. Den extra gekauften Reise-Hochstuhl haben wir natürlich bei der ganzen Packerei fürs Kind vergessen. Als Konsequenz hatten wir sie auf dem Schoß sitzen und das Essen war etwas komplizierter als es hätte sein müssen. Was wäre aber, wenn ich etwas anderes vergessen hätte, zum Beispiel das Insulin.

Tatsächlich werde ich mir vor dem nächsten echten Urlaub eine Checkliste schreiben müssen, damit nichts vergessen geht. Neben dem allgemeinen Urlaubsstress mit Kind gibt es nämlich eine ganze Menge wegen des Diabetes zu beachten. Dabei muss man sich immer die Frage stellen „Was wäre, wenn?“, um auch ungeplante Situationen im Blick zu haben.

Insulin

Insulin ist natürlich das wichtigste Gepäck für einen Typ-1-Diabetiker, damit man nicht überzuckert. Es muss allerdings sichergestellt werden, dass es weder zu hohen noch zu niedrigen Temperaturen ausgesetzt ist und in ausreichender Menge zur Verfügung steht.

Was wäre, wenn……dann…
die Temperaturen bei der Anreise zu hoch sindhabe ich eine Kühltasche mit Kühlakkus dabei, die das Insulin kühlen.
der Kühlakku aufgewärmt isthabe ich sichergestellt, dass die Unterkunft einen Kühlschrank (idealerweise inkl. Gefrieroption) hat oder ich habe eine Kühlmöglichkeit ohne Gefrierung (z.B. eine Frio-Bag, die mit kaltem Wasser kühlen kann).
die Temperaturen z.B. im Gepäckraum des Flugzeugs zu niedrig sindhabe ich das Insulin sowieso im Handgepäck oder am Körper direkt bei mir.
ich nicht weiß, wie sich die Temperatur meines Insulins entwickeltkann ich mir einen Temperatur-Sensor zulegen (z.B. www.medangel.co), der alarmiert, wenn es zu kalt oder warm wird.
die Sicherheitsleute keine spitzen Gegenstände (wie Insulinspritzen) im Handgepäck duldenhabe ich ein Attest meines Diabetologen (auch in englisch) parat.
die Tasche mit dem Insulin unterwegs verloren gehthabe ich eine zweite Tasche, in dem mindestens ein Insulin-Pen verstaut ist.
deshalb das Insulin nicht mehr reichthabe ich die doppelte Menge meines ursprünglichen Bedarfs dabei.
ich öfter als sonst spritzen muss, weil ich das Essen nicht kennehabe ich zudem ausreichend Spitzen dabei.
trotz allem das Insulin leer istkenne ich Anlaufstellen (Ärzte, Apotheken,…) mit Diabetes-Erfahrung an meinem Urlaubsort.

Glukosemesssystem

Wenn man nicht weiß, wie hoch der Zuckerwert ist, hilft einem wohl temperiertes Insulin auch nur bedingt. Es muss daher sichergestellt werden, dass man auch im Notfall den Blutzucker bestimmen kann.

Was wäre, wenn… …dann…
der Sensor im Urlaub abläufthabe ich einen zum Wechseln dabei.
der Sensor abfällthabe ich die doppelte Menge an Sensoren dabei, auch wenn das Platz im Koffer frisst.
der Sensor gewechselt werden musshabe ich Desinfektionsmittel dabei.
der Sensor durch vieles Baden oder Sport besonders gefährdet istschütze ich den Sensor durch Tapes.
dennoch der letzte Sensor nicht mehr zu gebrauchen isthabe ich die Möglichkeit blutig zu messen und ausreichend Teststreifen, Lanzetten und das Messgerät dabei.
der Akku vom Lese- oder Messgerät leer isthabe ich ein Ladegerät und ggf. eine Powerbank zum laden dabei.
die Werte kontinuierlich zu hoch sindhabe ich Ketonstreifen dabei, um eine Ketoazidose zu vermeiden.
ich länger schwimmen gehen möchtehabe ich eine wasserfeste Hülle für das Lesegerät/Smartphone dabei, die ich am Körper tragen kann

Kohlenhydrate

Unterwegs kann man nicht immer direkt auf Essen zugreifen. Um Unterzuckerungen zu vermeiden, müssen daher ausreichende Mengen an wetterbeständigen Kohlenhydraten mitgeführt werden, die mitunter auch schnell ins Blut gehen können.

Was wäre, wenn… …dann…
ich nicht mehr in der Lage bin, selbständig Kohlenhydrate zu mir zu nehmenhabe ich eine Glukagon-Spritze/Spray dabei und meine Mitreisenden wissen, wie sie im Notfall zu bedienen ist.
ich gar nicht weiß, wie viele Kohlenhydrate das Essen hathabe ich mich ggf. vorab mit landestypischen Essen in Ruhe auseinander gesetzt.
ich nicht abschätzen kann, wann ich wieder etwas zu essen bekommehabe ich ausreichend lang anhaltende Kohlenhydrate bei mir.

Weitere Aspekte

Spannend wird es auch, wenn man um die halbe Welt reist und die Zeitverschiebung zum Tragen kommt. Wie steht es dann um die individuellen und tageszeitabhängingen Korrekturwerte? Wann muss das Basalinsulin gespritzt werden? Wie verändert sich der Tagesablauf generell? Wird es ein erholsamer Urlaub oder ist man den ganzen Tag aktiv? Da ich kein Pumpenträger bin, spielt das Thema Pumpe bei mir keine Rolle, aber was wäre, wenn die Insulin-Pumpe aussetzt? Es gibt wohl die Möglichkeit eine Ersatzpumpe vorab auszuleihen.

All das zeigt, dass man sich durchaus vorher ein paar Gedanken machen sollte, bevor man in den Flieger steigt oder auf anderem Wege die eingespielten, sicheren vier Wände verlässt. Den Diabetikerbedarf sollte man daher eine Woche vor Reisebeginn packen, um notfalls Dinge zu organisieren und vor allem Ruhe beim Packen zu haben.

Und trotzdem habe ich jetzt so richtig Lust auf Urlaub!

Photo by Nick Karvounis on Unsplash

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s