Blutzuckermessen mit der Smartwatch – Apple und Samsung bringen Licht ins Handgelenk

Vor nicht allzu langer Zeit wäre ich noch mehr als zufrieden gewesen, wenn der FreeStyle Libre-Sensor einfach nur die Werte via Smartphone auf meine Smartwatch übertragen würde. Mittlerweile haben Apple und (wohl nicht ganz zufällig) zeitgleich Samsung durchsickern lassen, dass ihre nächsten Uhrenmodelle den Blutzucker kontinuierlich messen können. Auch wenn ein Apple Sensor am Oberarm bestimmt den ein oder anderen Nicht-Diabetiker neidisch machen würde, soll es sogar non-invasiv und autark mit der Uhr funktionieren.

Diabetiker müssen sich bislang mehrmals am Tag in den Finger stechen, sofern sie den Blutzucker bestimmen wollen. Dieses lästige Prozedere konnte durch ein CGM-System (wie es der FreeStyle Libre ist) deutlich abgemildert werden. Etwa alle zwei Wochen muss ein neuer Sensor gesetzt werden, der dann kontinuierlich und ohne erneutes Pieksen die Gewebezuckerwerte bestimmen kann. Der Gewebezucker gibt allerdings nicht den minutengenauen Blutzuckerwert wieder, sondern hinkt etwa 15-20 Minuten hinterher. Trendpfeile sollen dem Nutzer Hinweise geben, wie sich die Kurve weiterentwickeln wird und wie entsprechend der aktuelle Wertebereich einzuschätzen ist.

Apple & Co wollen nun weder bis zu den Blutgefäßen, noch in die Gewebsflüssigkeit eindringen. Sie behaupten, dass man das Glukoselevel auch ohne nervige Stecherei bestimmen kann. Aber wie kann das funktionieren? Als ich der Sache auf den Grund gehen wollte, fühlte ich mich in den Physikunterricht zurückversetzt. Die Uhren machen sich die Raman-Spektroskopie zu Nutze. Moleküle, aus denen so ziemlich alles um uns herum gebaut ist, können schwingen. Sie schwingen, je nach dem wie und aus was sie zusammengesetzt sind, mit einer anderen Frequenz. Die Uhr leuchtet eine bestimmte Strahlungsfrequenz durch das Handgelenk. Je nach dem auf welche Moleküle die Strahlung trifft, kommt eine veränderte, charakteristische Frequenz am Lesegerät an. Mit dieser Methode lassen sich nicht nur unterschiedliche Stoffe ermitteln, sondern anhand der Intensität auch die jeweiligen Konzentrationen. Die Apple Watch kann so in einem Schwung z.B. den Sauerstoff- und Glukosegehalt des Blutes bestimmen.

Der japanische Hersteller Quantum Operation, der ebenfalls eine Smartwatch zur Glukosemessung auf der CES 2021 vorstellte, setzt auf ein fokussierteres Fotometrie-Verfahren. Dabei leuchtet die Uhr Licht mit genau der Strahlungsfrequenz, mit der auch das Glukose-Molekül schwingt. Dadurch, dass so die Strahlung von der vorhandenen Glukose absorbiert wird, muss nur noch die Intensität der übrigen Strahlung gemessen werden, um die Glukosekonzentration im Blut zu bestimmen.

Ich muss sagen, es wird immer toller, Diabetiker zu sein. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass mir meine Krankenkasse in absehbarer Zeit eine Apple Watch bezahlt. Ich müsste dann weder Blut- noch Gewebezucker messen, sondern könnte ganz entspannt und ungepiekst den Lichtzucker auf meiner Uhr ablesen.

Quellen:

Photo by Fabian Albert on Unsplash

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